Parkinson als Chance

Ein Erfahrungsbericht

Seit 20 Jahren lebt Uli Sajko schon mit der Erkrankung Morbus Parkinson. Trotz Einschränkungen, die die Krankheit begleiten, lässt sie sich nicht unterkriegen und sieht Parkinson sogar als Chance. Bei HOME4MOTION macht sie eine regelmäßige Bewegungstherapie, die sie beim Erhalt ihrer größtmöglichen Lebensqualität und Selbstständigkeit unterstützt.

Uli Sajko trainiert mit einer MFT-Platte und dem Therapiegerät Pablo Gleichgewicht und Kopfkontrolle
Uli Sajko trainiert mit einer MFT-Platte und dem Therapiegerät Pablo Gleichgewicht und Kopfkontrolle

Die ersten Anzeichen von Parkinson bemerkte Uli Sajko, als sie 43 Jahre alt war. Ihr Mann war selbstständig und Uli Sajko im Büro tätig. „Ich habe die Maus beim Arbeiten nicht mehr dorthin gebracht, wo sie hinsollte. Außerdem konnte außer mir niemand mehr meine Schrift lesen, weil sie immer kleiner und krakliger wurde“, erzählt Uli Sajko. Nach einem einwöchigen Aufenthalt im Krankenhaus, bestätigte sich das was Uli Sajko schon geahnt hatte. Sie litt an Morbus Parkinson. Sofort nach der Diagnose schloss sie sich einer Selbsthilfegruppe an und arbeitete dort lange Zeit sehr aktiv mit. „Bei der Selbsthilfegruppe dabei zu sein, hat mir viel gegeben und hat mir Mut gemacht nicht die einzige zu sein. Auch das Malen und das Schreiben sind entspannende Ausgleiche für mich“, beschreibt Uli Sajko.

Seit 20 Jahren lebt Uli Sajko nun schon mit der Krankheit. Durch Medikamente ist ein für sie noch angenehmes Leben möglich. Jedoch erschweren motorische Symptome wie Zittern, Kleinschrittigkeit, ein gebeugter Rumpfkörper oder Gleichgewichtsstörungen ihren Alltag.

Über ihre Neurologin wurde sie auf unser Therapiezentrum in Graz aufmerksam. „Ich bin hier zur Therapie gekommen, weil ich meine Bewegungsfähigkeit trainieren und an meiner Gleichgewichtsproblematik arbeiten wollte“, erzählt Uli Sajko. 2020 hat sie mit ihrer Therapie begonnen und trainiert seitdem einmal in der Woche mit unserem Gangtrainer Lyra und mit den Therapiegeräten „Tymo“ und „Pablo“, sowie der MFT-Platte.

Therapie für mehr Sicherheit im Alltag

Parkinson ist eine fortschreitende Krankheit. Aus diesem Grund liegt das Behandlungsziel unserer Bewegungstherapie darin, die Selbständigkeit und Lebensqualität der Patienten:innen zu bewahren.

„Ich gehe noch gerne wandern. Ich möchte im Wald, wo es uneben ist, sicher gehen können und mich sicher fühlen.“

Deshalb ist der Hauptfokus unserer Therapie das Gleichgewicht. Das wird mit unseren Physiotherapeuten:innen, der Gleichgewichtsplatte „Tymo“ und einer MFT-Platte trainiert. Mit Tymo wird dabei die Wahrnehmung der Gewichtsübernahme von linken und rechten Bein geschult und die Beine gekräftigt. Die Sensoren messen dabei die Körperschwankungen bei der Haltungs- und Gleichgewichtsregulation.

Gleichgewicht wird auch mit der MFT-Platte trainiert. Die MFT-Platte ist instabil, wodurch es für Uli Sajko höchst herausfordernd ist, darauf zu stehen und Übungen durchzuführen. Dazu gehören z.B. statische Gewichtsverlagerungen von vorne nach hinten oder von links nach rechts. Aber auch dynamische Gleichgewichtsübungen z.B. mit einem Bein auf den vor ihr stehenden Stepper zu tippen und dann dasselbe Bein gleich wieder hinunter stellen.

Uli Sajko leidet auch unter unwillkürlichen Bewegungen ihres Oberkörpers und Kopfes (Tremor). Um die Kopfkontrolle zu verbessern, wird das Therapiegerät „Pablo“ genutzt. Ein Sensor wird mit einem elastischen Band am Kopf fixiert. In Kombination mit computerbasierten Therapiespielen muss sie ihren Kopf aktiv kontrollieren, um Bewegungen nach links oder rechts oder vorne oder hinten auszuführen.

„Ich bin sehr zufrieden mit der Therapie. Vor allem das spielerische mit den Computerspielen kommt mir sehr entgegen, das mache ich sehr gerne“, erzählt Uli Sajko über ihre Therapie.

Der Fokus ihres Gangtrainings ist vor allem die Beckenstabilität in der Standbeinphase. Die Standbeinphase ist wichtiger Bestandteil der Vorwärtsbewegung und damit der Mobilität eines Menschen. Bei Uli Sajko soll in dieser Phase des Gehens die Ausweichbewegung des Beckens nach hinten vermindert werden. Dafür würde mit unserem Gangtrainer „Lyra“ anfangs eine geringe Gehgeschwindigkeit eingestellt (45 Schritte pro Minute), damit sie sich auf die Beckenbewegung konzentrieren kann. Mittlerweile konnte die Geschwindigkeit langsam wieder gesteigert werden (50-60 Schritte pro Minute), während das Becken weiterhin stabil bleiben soll. Durch die Ausführung der richtigen Gehbewegung wird diese Bewegung ergonomisiert und automatisiert. Hierdurch fällt es dem Gehirn leichter diese Bewegung durchzuführen, wodurch wiederum die Ausdauerleistung vieler Bewegungen gesteigert oder erhalten werden kann.

„Die Physiotherapeuten:innen sind bewundernswert. Sie erkennen genau meine Schwachstellen und ich gehe wirklich mit dem Gefühl hinaus, ich habe was gemacht und habe mich verbessert. Ich gehe müde, aber zufrieden nach Hause.“

Parkinson als Chance

Obwohl Uli Sajko durch ihre Erkrankung vor allem in ihrer Bewegungsfähigkeit eingeschränkt ist, sieht sie Parkinson auch als eine Chance. „Das positive an Parkinson war bei mir, dass es mich aus dem Bürotrott herausgebracht hat, da wäre ich wahrscheinlich heute noch. Parkinson setzt dort an, wo man den Körper am meisten Stress und Druck zumutet und das ist eben weggefallen und dadurch habe ich ein neues Leben, ein anderes Leben angefangen,“ beschreibt Uli Sajko.

Durch unsere Physiotherapie unterstützen wir Uli Sajko dabei, ihre Selbstständigkeit und Alltagsbewegungen zu bewahren. Neueste Studien zeigen, dass es durch die Bewegungstherapie zu klaren Verbesserungen bei der Ansteuerung von Bewegungen und Gleichgewicht kommt. Das bemerkt auch Uli Sajko: „Man muss wirklich sagen, es sind auch schon Fortschritte entstanden. Ich fühle mich fitter und etwas sicherer als vorher“.

Anderen Betroffenen möchte sie Mut machen:

„Ich möchte Mut machen sich mit Parkinson anzufreunden und das Leben mit Parkinson aktiv anzugehen. Parkinson lässt Zeit sein Leben zu überdenken und neue Wege zu gehen. Aber eben zu leben und das Leben zu genießen.“

Julia Pechmann

Ein Kommentar

  1. Du hast vollkommen recht. Parkinson verlangsamt das Leben, das vorher sowieso zu schnell war und bringt einen zum Nachdenken.
    Das Wichtigste ist, nie aufzugeben und viel Bewegung zu machen. Bei mir ist es das Tischtennisspiel, das mich fit hält. Natürlich neben vielen Therapien in der Selbsthilfegruppe.

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